Donnerstag, 20. Januar 2022

Nicht perfekt ist auch ganz gut


Im vergangenen Dezember auf eine neuerliche Veganuary-Teilnahme meinerseits angesprochen, reagierte mein Mann mit

Drohgebärden
   nervenzusammenbruchartigem Stöhnen
      Augenrollen
         Hirnklatschen
            ermattetem Kopfschütteln.

Na ok, so schlimm war‘s nicht, ich übertreibe ziemlich. Aber ausgekannt hab ich mich trotzdem. Und um ehrlich zu sein: Mein Energiehaushalt läuft momentan derart untertourig, der Motor stottert und ist so minikurz vorm Absterben, dass da Anfang Jänner gar keine Kraft war und auch keine Lust, mir zu überlegen, was ich einen Monat lang kochen könnte, damit alle meine picky eaters halbwegs zufrieden sind mit ihrer Ernährerin. Ich weiß eigentlich gar nicht, was so anders ist als noch vor einem Jahr, trotzdem fühlt es sich ganz anders an. Akku leer.

Es hilft, mich an der Natur zu orientieren: Alles da draußen schläft und wartet und dämmert vor sich hin - vielleicht sind meine gefühlten 30 bis 40 % Ladestand ja einfach nur das eine: ganz normal. Und es hilft auch, mich in Self Care zu üben, das ist ja grad sehr modern. Und kleine Schritte zu gehen. Schritte, die leicht umzusetzen und gut und unaufwändig in mein Leben integrierbar sind. Deshalb gibt es heuer statt eines richtigen Veganuary eine abgespeckte Version davon. Dazu hab ich mir, ganz pragmatisch, aus dieser Challenge und jener Battle die Rosinen herausgepickt – und die vernasch ich jetzt, (mindestens) den ganzen Jänner lang. Für euch kommt heute jede Menge (vegane) Inspiration – vielleicht ist ja das eine oder andere Rosinchen auch für euch dabei…

Science is magic

Simon Hill ist ein blauäugiger, blonder Strahlemann mit Muskeln aus Stahl und einer Stimme, die das Potential hat, gewisse Dinge … ähm … auszulösen. Aber hey, lasst euch nicht täuschen! Auf dem durchtrainierten Körper sitzt ein ziemlich kluger Kopf und der beschäftigt sich gern mit den Vorzügen einer pflanzenbasierten, vollwertigen Ernährung – für den Menschen, die Tiere und die Umwelt.

In seinem Plant Proof Podcast hat er regelmäßig die Experten der Welt zu Gast und sein Buch The Proof is in the Plants, dessen Erlöse zu 100 % in Projekte zum Schutz des Regenwaldes gehen, fasst fundiertes Wissen perfekt zusammen, vermittelt ein positives Gefühl, relativiert einiges, ist aber dennoch sehr klar in seiner Aussage: Eine gesunde Ernährung braucht einen entspannten Zugang, aber auch eine gute Planung.

Das Buch hilft mir momentan dabei, den allabendlichen Zubettgeh-Terror, der sich aus welchen Gründen auch immer ins Bubenzimmer geschlichen hat, halbwegs gut zu überstehen. Das ist Ernährungswissenschaft für die Zukunft! Ich bin schwer beeindruckt.



Juchhu, eine neue Liste!

Habt ihr euch eigentlich schon mal überlegt, wie abwechslungsreich ihr euch ernährt? Ich beispielsweise glaube grundsätzlich schon, dass mein Teller halbwegs bunt und vielfältig zusammengestellt ist, aber ist das wirklich so? Um es herauszufinden, habe ich Simon Hills #plantproof40 Challenge angenommen: Ein paar Wochen lang möchte ich mitschreiben, wie viele unterschiedliche Pflanzen es tatsächlich sind, die ich so esse. Das Ziel sind mindestens 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel (und es zählt hier nicht ein Krümelchen hiervon und ein Löffelchen davon, sondern es müssen schon richtige Portionen sein) sowie mindestens 10 Kräuter und / oder Gewürze, denn je abwechslungsreicher der Speiseplan ist, umso mehr können wir von den unterschiedlichsten gesundheitsfördernden Substanzen in unseren Lebensmitteln profitieren.

Meine Liste der ersten Jänner-Woche sah zum Beispiel so aus:


Ziel erreicht! Aber wisst ihr was? So ein Kinderspiel war es dann doch nicht. Vor allem gegen Ende der Woche hin wurde es immer schwieriger, neue pflanzliche Lebensmittel notieren zu können. Das Mitschreiben zeigt mir, wo ich stehe – und motiviert mich zu noch mehr Abwechslung in meiner Ernährung. Find ich spannend! (Und ich liebe Listen.)

Eat more Plants (+ drink more water)

Eine weitere Ernährungsexpertin, deren Aussagen ich zu 100 % unterschreiben kann, ist Desiree Nielsen aus Kanada. Ihrer Eat more Plants Challenge begegnete ich zum ersten Mal vor einem Jahr und seitdem freue ich mich jedes Mal, wenn einer ihrer wöchentlichen Newsletter in mein Postfach flattert. Sie inspiriert mich und ich finde, so macht gesunde Ernährung Spaß und Sinn.

Bei ihrer Challenge, die den ganzen Januar läuft, bin ich nicht aktiv dabei, ich verfolge sie aber am Rande. Eine der Aufgaben versuche ich jedoch tatsächlich umzusetzen, nämlich in der Früh schon vor dem ersten Kaffee (jaha, davohor!) 2 Gläser Wasser zu trinken. Ich gehöre nämlich leider zu jenen Menschen, die, wenns drauf ankommt, den ganzen Tag ohne Flüssigkeit auskommen können, nur um am Abend festzustellen, dass sie völlig dehydriert sind. Ich weiß, das ist nicht gut und auch nicht gesund – dennoch muss ich mich oft regelrecht zum Trinken zwingen. Die zwei Gläser in der Früh trinke ich zurzeit auch noch nicht ganz freiwillig – aber sie nehmen mir den Druck und das fühlt sich eigentlich ziemlich nett an.

Vegan an Bürotagen

Vegan ist mein Jänner also nicht – aber an Bürotagen, wo keiner meckern und Einspruch erheben kann, ziehe ich mir die volle Ladung rein:

Zum späten Frühstück Overnight Oats aus Hafer- und Gerstenflocken, dazu ein paar Nüsse und Samen, Rosinen oder Datteln und eine Handvoll Beeren aus dem Tiefkühler, alles eingeweicht in Hafermilch. Und vorm Essen schneide ich noch etwas frisches Obst dazu – sowas geht immer!

Mittags gibt’s dann irgendetwas aus Gemüse, Getreide und / oder Hülsenfrüchten – eine Gemüsepfanne, Eintopf oder Salat, am Vortag schnell zusammengekocht oder –geschnipselt aus dem, was gerade da ist.

Das Abendessen dann ist eine leichte Übung. Meist jausnen wir ja zusammen, stellen alles Mögliche auf den Tisch und jeder nimmt sich, was er möchte. Hier bin ich mit Brot, veganen Aufstrichen, frischem und fermentiertem Gemüse mehr als glücklich.



Use it up!


Der Start ins neue Jahr ist immer eine gute Gelegenheit, mal wieder in seinen Vorräten zu kramen, sie zu sortieren und zu sichten und sich zu überlegen, wie man sie verwerten und aufbrauchen kann. Julia hat super Tipps dazu, ihr findet sie hier. Meinen Tiefkühler habe ich bereits gesichtet und aufgeräumt, was ich superpraktisch finde, denn gerade dieses Teil birgt oft Dinge, die gerne in Vergessenheit geraten. Nun ist alles geordnet nach Kategorien: Obst, Gemüse & Kräuter, Brot & Gebäck, Fleisch & Knochen (falls ihr euch wundert: die Knochen sind für Chi), fertige Gerichte. Hach, what a feeling … Als nächstes dann die Speisekammer (Großprojekt)!

More Me, nämlich:

* Gesundheitscheck beim Arzt machen

* Laufen gehen, Yoga praktizieren: Danach spüre ich jedes Mal, wie gut mir Bewegung tut. Sie weckt meine Lebensgeister, ich fühle mich leicht und frei. Schwierig ist für mich oft das Davor, der erste Schritt. Aber es hilft ja nix. 2022 möchte ich wieder fitter werden.

* Mund aufmachen: Viel zu oft denke ich mir nur, was ich eigentlich laut sagen möchte. Das soll anders werden, ein paar Themen hab ich schon.

* Mehr Zeit zu zweit: Vor einigen Tagen hatten mein Mann und ich die Gelegenheit, einen längst überfälligen Gutschein für ein Dinner for two in einem Gasthaus in der Nähe einzulösen. Bei der Tischreservierung bestellten wir ein vegetarisches Menü. Um ehrlich zu sein, ging ich nicht mit allzu großen Erwartungen hin und vermutete das obligatorische Gemüselaibchen mit Salatgarnitur. Aber nein, weit gefehlt! Vier Gänge abwechslungsreiches und köstliches vegetarisches Essen, ich war verblüfft und begeistert und überhaupt: So ein Abend zu zweit, das kann schon was.

Auf der Suche nach mehr?

Dann klickt euch durch meinen vergangenen Veganuary, dort findet ihr Unmengen an Input und Rezepten. Lest die neue Studie, die im Fachjournal Nature Food erschienen ist, über den Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und Klimakrise. Macht euch Gedanken darüber, ob Feigen vegan sind. Oder Avocados. Blättert durch den aktuellen Fleischatlas oder durch das entsprechende Dossier für Kinder und Jugendliche. Oder bildet euch, zum Beispiel zum Thema Vegane Kinderernährung (f.eh live im talk_8).

Und ja - natürlich hab ich auch noch ein Rezept für euch ♥



Beerenmousse mit Aquafaba


Aquafaba kennt ihr? Die etwas komische Flüssigkeit mit dem ziemlich komischen Namen ist das Aufgusswasser von Kichererbsen oder anderen Hülsenfrüchten in Glas oder Dose. Sie wird gerne in der veganen Küche als Ersatz zur Eiklar verwendet. Wenn ihr sie noch nie ausprobiert habt, dann solltet ihr das demnächst mal tun – Aha-Erlebnisse sind so gut wie garantiert. Ich zumindest war sehr erstaunt, wie gut sich Aquafaba tatsächlich aufschlagen und dann auch in unterschiedlichsten Gerichten verwenden lässt.
Dieses Beerenmousse habe ich mir von Frau Janik abgeschaut – es ist superfruchtig, leicht und luftig, dabei aber vollmundig und wunderbar cremig. Ich liebe es!

Zutaten für 4 – 6 Portionen

Für das Mousse
250 g tiefgekühlte Himbeeren oder andere Beeren
50 g Staubzucker
gekühltes Aquafaba von 1 350g-Glas Kichererbsen

Außerdem
ein paar weitere tiefgekühlte Himbeeren zum Dekorieren

1. Die tiefgekühlten Himbeeren (mit frischen funktioniert es nicht!) in eine Rührschüssel geben und klein häckseln. Ich habe das mit dem normalen Handmixer und den Quirlen gemacht – bei Himbeeren funktioniert das sehr gut, weil sie ohnehin eher filigran sind. Bei anderen Beeren wie Brombeeren oder Erdbeeren würde ich den Multizerkleinerer zu Hilfe nehmen.

2. Staubzucker zugeben und nochmals kurz mischen.

3. Nun kommt das gut gekühlte Aquafaba dazu. Dann wird so lange gerührt und gemixt, bis die Masse heller wird und sehr voluminös. Das dauert seine Zeit, rechnet mit ungefähr 5 – 10 Minuten.

4. Das Mousse sofort servieren, sonst fällt es nach einiger Zeit wieder in sich zusammen (wenn es wärmer wird). Dazu in kleinen Schüsselchen anrichten und mit einigen zerbröselten und einigen ganzen tiefgekühlten Himbeeren garnieren.

10 Kommentare:

  1. Liebe Maria - vermutlich sind wir alle etwas müde und haben weniger Elan für Dinge, die uns herausfordern. Warum deine Familie jedoch bei DEINEN veganen Kreationen derart piekig ist, kann ich nicht verstehen ;-) Ich leih dir mal meine 4 jährige aus, die jubelt, wenn es Falafel und Avocado gibt :-) Eine Frage zur Mousse: Ich habe aus Aquafaba schon Mousse au chocolat gemacht und fand das wirklich gut, insofern würde ich die Himbeermousse auch ausprobieren. Verstehe ich es richtig, dass die unaufgeschlagene Kichererbsenflüssigkeit zu den gehexelten Himbeeren kommt und dann erst aufgeschlagen wird? Danke und viele Grüße. Halt die Ohren steif! Hannah

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    1. Ja genau, ich verstehs auch nicht!!! ;-)))) Deine Kleine würde ich mir gerne mal ausleihen, so als Testimonial ♥ Learning by seeing für meine Drei sozusagen ;-)
      Und richtig - das flüssige Aquafaba kommt zu den gehäckselten Himbeeren - und dann wird alles gemeinsam aufgeschlagen.
      Gutes Gelingen und ganz liebe Grüße :-)

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  2. Bei Aquafalba bin ich noch skeptisch, aber dein Mousse sieht toll aus!

    Danke für die vielen interessanten Infos und Links! Deine Liste von 1 Woche ist unglaublich, ich sollte mir wirklich an der Vielfalt ein Beispiel nehmen ;-)
    Ich schreibe seit 1 Jahr täglich auf, was ich esse, zB. Obst-Gemüse Portionen, Fleisch, vegan, Süßes, Alkohol, wieviel Bewegung ich mache... und oft schaffe ich es gegenzusteuern, wenn Ungesundes überhand nimmt. Mit Liste hat man es schwarz auf weiß.

    Schau auf dich, Maria, hör auf deinen Körper, was er dir sagen will, ein so niedriger "Akku" Stand gehört aufgeladen! lg

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    1. Gern, liebe Friederike.
      Ich finds auch gut, wenn man alles mal schwarz auf weiß sieht - und bewundernswert, dass du es schon ein Jahr lang machst. Irgendwann wird es wohl zur Routine ;-)
      Ja, der Akkkustand ... im Alltagstrubel ist es oft nicht so leicht, aber ich arbeite hart daran, mir meine "Inseln" zu verteidigen :-)
      Alles, alles Liebe!

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  3. Plantproof40 schau ich mir sofort gernauer an. Danke für den Tipp, das klingt fein.
    Aquafaba ist nicht so mein Fall, aber dein Mousse klingt hervorragend, das werde ich probieren. Der Tiefkühler beherbergt eh noch ausreichend Obst, das aufgebraucht werden will.

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    1. Du solltest es wirklich probieren, ich mags sehr :-)
      Alles Liebe!

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  4. Liebe Maria,
    hab vielen Dank für die vielen Verlinkungen und Infos, du warst wieder mal super fleißig, obwohl der Akku niedrig war. Alle Achtung!
    Auf Aquafaba hast du mich neugierig gemacht, jedes Mal, wenn ich eine Dose Kichererbsen öffne, denke ich nicht daran.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Liebe Sigrid ... Wenn du wüsstest, wie lange es gedauert hat, diesen Artikel fertig zu bringen ;-)))
      Alles Liebe zu dir! Und denk ans Aquafaba ... :-)

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  5. Ich habe mit Aquafaba wunderbare Baisers Gebäcke. Niemand hat was gemerkt.
    Aber ich finde, Ernährung sollte nicht so ein Stress werden. Soll sich der Mann doch ein Steak in die Pfanne hauen!
    Und die Kinder merken es vielleicht garnicht, wenn es nicht als veganuary deklariert wird. Take good care of yourself, meine Liebe!

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