Donnerstag, 4. Juni 2020

Freiheit mit Federn im Haar


Mich von Phoenix, meinem alten Pferdefreund, durch den Wald tragen zu lassen, hat eine besondere Qualität bekommen. Nicht nur, dass Auszeiten wie diese ganz allgemein sehr viel dünner gesät sind als früher, es schwingt auch immer ein leises Ahnen mit, dass unsere gemeinsame Zeit nicht mehr ewig dauern wird.

So setze ich mich also vorsichtig und ohne Sattel auf seinen betagten Rücken. Ich treibe ihn an, vorbei am Stall und an den Koppeln, den Wiesenweg entlang, der uns hinein führt in den Wald. Es geht bergab und ich spüre die alten, steifen Glieder unter mir, die erst noch ein wenig brauchen, um selbst in Schwung zu kommen. Ich lasse ihm Zeit und es geht gemächlich voran. So viel gemächlicher noch als vor mehr als zwanzig Jahren, als er mich zum ersten Mal aufsitzen ließ. Undenkbar damals, ihn ohne Sattel reiten zu wollen … Was war er wild! Und schnell wie der Wind.


Wenn sich das Minimädel heute einen ihrer Lieblingsfilme, Ostwind, ansieht, berührt es mich sehr, wenn die Hauptdarstellerin Mika gemeinsam mit ihrem Pferd über die Felder und Wiesen galoppiert und dabei vertrauensvoll die Arme zur Seite streckt, das Kinn hebt, die Luft atmet, lacht. Dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit und Lebendigkeit, das man auf einem Pferderücken erleben darf, das habe auch ich gespürt – und meiner Tochter wünsche ich es ebenso, von ganzem Herzen. Weil ich weiß, wie beglückend es ist, eines dieser herrlichen Tiere als Freund und Wegbegleiter an seiner Seite zu haben.

        Ich sage nichts.
Das Pferd antwortet.
        Ich will nicht sprechen.
Das Pferd fragt.
        Ich will nicht antworten.
Das Pferd spricht.
        Ich höre zu.
Dann hält es inne.
        Und ich beginne zu erzählen.*


Phoenix ist kein Schmusepferd, das war er nie, und oft macht er auch keinen Hehl daraus, dass er lieber seine Ruhe hätte als sich mit den Befindlichkeiten seiner Menschen abzugeben. Aber dennoch – wir lernen voneinander, wir wachsen aneinander – und immer wenn ich will, trägt er mich fleißig und geduldig auf unserer kleinen Runde durch den Wald. Manchmal, wenn er uns besonders rüstig erscheint, setzen wir uns zu zweit auf seinen Rücken, das Minimädel und ich. Dann stecken wir uns Federn ins Haar und kauen an Knäuelgras, während wir seine Kraft unter uns spüren, die leiser ist, aber immer noch da.



Sparkling Nettle


Wie ihr wisst, ist es gut möglich, dass euer Brennnesselsirup mit ein wenig Glück – und wenn ihr vorwiegend rötlich bis purpur gefärbte Exemplare gesammelt habt – eine wunderbar rosige Farbe bekommt. Aber es muss ja nicht immer rosa sein … Für den Sirup, den ich in diesem spritzigen Getränk (Idee von hier) verwende, habe ich nur grünes Brennnesselkraut genutzt. Heraus kam ein Sirup mit schöner, goldbrauner Farbe und dem typischen, unverwechselbaren Nesselgeschmack.
Kinder mögen dieses Zaubergetränk übrigens besonders gern, denn es lassen sich phantastische Geschichten drum herum weben und erzählen – und wird es noch dazu in edlen Gläsern serviert, kann es schon mal passieren, dass es plötzlich ganz königlich zugeht an der reich gedeckten Tafel …

Zutaten

1 Teil Brennnesselsirup**
2 Teile Orangensaft
nach Geschmack etwas Zitronensaft
2 Teile prickelndes Mineralwasser
Eiswürfel und Orangenscheiben zum Servieren

1. Brennnesselsirup mit Orangensaft und Zitronensaft vermischen.

2. Eiswürfel auf Gläser verteilen und das Saftgemisch darüber gießen.

3. Mit Mineralwasser aufgießen und mit Orangenscheiben geschmückt servieren.

TIPP für Erwachsene: Der Sirup schmeckt auch aufgespritzt mit Prosecco sehr gut!

**Sirup nach meinem Grundrezept:

2 Liter Wasser
4 kg Zucker
2 Bio-Zitronen, in Scheiben geschnitten
2 Bio-Orangen, in Scheiben geschnitten
50 g Zitronensäure
50 Spitzen von gesunden, dunkelgrünen Brennnesseln (die oberen zwei bis drei Etagen, also etwa die oberen 15 cm) 
1 Zweig Minze

1. Das Wasser mit dem Zucker erhitzen, bis sich der Zucker aufgelöst hat, dann auskühlen lassen.

2. Zitronenscheiben, Orangenscheiben, Zitronensäure und Kräuter zum Zuckerwasser geben, zudecken und für 3 – 5 Tage ziehen lassen.

3. Den Sirup durch ein feines Sieb seihen, in saubere Flaschen abfüllen und verschließen.


*Diese zauberhaften Zeilen habe ich irgendwann einmal hier gefunden.

8 Kommentare:

  1. möge es Phoenix noch lange gut gehen!
    An Brennesselsirup hab ich neulich auch schon gedacht, den setze ich bei nächster Gelegenheit an, ich mag ihn auch sehr gern!
    lg

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    1. Ich auch ... So eigenwillig wie die Pflanze selbst schmeckt auch der Sirup ... Aber sehr fein ...
      Danke Friederike :-)

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  2. Brennnesselsirup kenne ich gar nicht, ich danke dir, dass du mir neue Einsichten schenkst - ob Sirup oder auf einem Pferderücken.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Sehr gern liebe Sigrid :-) Du kannst dir die Überraschung nicht vorstellen, als ich zum ersten Mal einen Brennnesselsirup angesetzt hab - und er ROSA wurde! :-)))

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  3. benutzt du dafür ganz einfachen raffinierten Zucker oder Rohrzucker?
    Liebe Grüsse
    Sabine von Bonjour Alsace

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    1. Liebe Sabine,
      sorry für die späte Antwort! Ich benutze meist raffinierten Rübenzucker, also den normalen weißen Haushaltszucker. Er bringt keinen Eigengeschmack mit, was mich vor allem bei feineren Blütensirupen stören würde ... Aber jetzt wo du es sagst: Das wäre doch sicher eine tolle Idee, Brennnesselsirup einmal mit Braunzucker oder Rohzucker anzusetzen ... Die Aromen könnten wunderbar harmonieren! Das probier ich aus, danke für den Stupser! :-)
      Liebe Grüße!

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  4. Dein Leben hat schon etwas Magisches, das Pferd, der brennesselzaubertrank...schöne Geschichte für eine die Pferde nur vom Ansehen kennt.

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    1. Das hat mir jetzt ein Lächeln auf die Lippen gezaubert :-) Magie gibt es viel zu wenig auf der Welt! Alles Liebe!

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