Montag, 6. Juli 2020

Keine Reisewarnung für Erdbeerländer


Von meinem Arbeitgeber habe ich die schriftliche Empfehlung erhalten, meinen Urlaub dieses Jahr im Inland zu verbringen. Kein Problem für uns, wir bleiben daheim, im wunderschönen Österreich. Hatten wir ohnehin vor.

Wobei … eine Ausnahme machen wir schon. Grenzüberschreitungen ins Erdbeerland sind und bleiben unerlässlich für unser Sommerwohl. Das geht zurzeit bei uns im Mühlviertel sogar noch … selbst die Pflanzreihen mit der Sorte Corona sind ohne Mund-Nasen-Schutz betretbar, Ein- und Ausreise ohne Probleme möglich.

Und auch der Unterhaltungswert am Erdbeerfeld ist nicht zu unterschätzen! Weißt du noch, wie man Erdbeeren richtig pflückt?, meinte eine Anfangzwanzigerin in Richtung ihres Freundes. Abreißen, antwortete der. Uii, das hätte er nicht sagen sollen, oh nein. Denn ein Vortrag über die richtige Pflückmethode folgte prompt. Ob er sich denn nicht mehr an das Video erinnern könne, da wär doch eh alles genau erklärt worden? Verständnislosigkeit auf ihrer, Schulterzucken auf seiner Seite. Das Gespräch wäre bestimmt interessant geworden, hätte mich nicht ein wild mit den Armen fuchtelnder Mann abgelenkt. Mama, rief er, Mama, nicht hier herein! Da ist alles nass! I’m full wet! Ich sah mich nach der Mama um und da stand eine hübsche kleine Philippina, was für ein Klischee, mit zwei noch hübscheren kleinen Mädchen an ihrer Seite. Einen aufwendigen Bogen marschierend bahnte sie sich den Weg zu ihrem Mann. Der befahl den Kindern: Essen! Essen! Denn was man im Bauch nach Hause trägt, braucht man nicht zu bezahlen.


Für meine Kinder ist Erdbeerland das Paradies auf Erden und ein Ausflug dorthin immer etwas ganz Besonderes. Die Mundwinkel ganz weit oben, Gesicht und Hände erdbeerrot, so sehen glückliche Sommermomente aus. Das Minimädel macht es sich gerne zwischen den Reihen im weichen, warmen Stroh gemütlich, nascht mal von links und mal von rechts, genießt die Sonne und das Nichtstun. Die Jungs sind aktiver, sie eifern meist um die größten oder die meisten Früchte und helfen mir fleißig beim Ernten. Und ich nutze am Erdbeerfeld die Gelegenheit, meinen Kindern einen achtsamen Umgang mit Pflanzen zu lernen. Ich erkläre ihnen, dass die Erdbeeren schön gleichmäßig rot sein sollen, weil sie daheim nicht mehr nachreifen können. Dass man die Früchte am besten mitsamt dem Stängel pflückt, damit der Saft nicht auslaufen kann und dass man sie vorsichtig in den Kübel legen muss, damit sie unbeschadet nach Hause kommen. Dass es sich lohnt, genau zu schauen und auch unter den Blättern zu suchen, weil sich dort oft die süßesten Früchte verstecken. Und dass man nicht wild durch die Reihen trampelt, weil Erdbeeren etwas Kostbares sind, von denen viele andere auch etwas haben möchten. 

Und so wild meine Kinder manchmal auch sind: Im Erdbeerland sind sie artig, rücksichtsvoll und aufmerksam. Irgendwas ist anders dort. Vielleicht die Luft? Die Erdbeerluft?



Erdbeer-Pie


Die vermutlich letzte Erdbeerwoche der Jahres 2020 feiere ich mit einem Erdbeer-Pie, hübsch verziert mit kleinen Blüten aus Mürbteig mit Vollkornanteil. Einfach nur köstlich!

Zutaten für 1 Pieform mit einem Durchmesser von etwa 22 cm

Für den Teig
100 g Weizenvollkornmehl
200 g glattes Weizenmehl
1 Prise Salz
1 EL Zucker
150 g kalte Butter
8 – 10 EL Eiswasser

Für die Füllung
600 g Erdbeeren
150 g Zucker
Mark von ½ Vanilleschote
2 EL Stärkemehl

Außerdem
2 EL kalte Butter in Stückchen zum Belegen
1 Ei zum Bestreichen

1. Aus den Teigzutaten einen Mürbteig kneten. Den Teig halbieren und jeweils zu einer Kugel formen. In Frischhaltefolie wickeln und 30 Minuten im Kühlschrank rasten lassen.

2. In der Zwischenzeit die Erdbeeren waschen, das Grün entfernen und in kleine Stücke schneiden.

3. Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

4. Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen. Die erste Teigkugel auf der bemehlten Arbeitsfläche rund und groß genug ausrollen, um die Pieform damit auskleiden zu können. Den Teig in die Pieform legen. Überschüssigen Teig abschneiden.

5. Die Erdbeeren mit Zucker, Vanille und Stärkemehl vermischen und auf dem Teig verteilen.

6. Butterstückchen auf den Erdbeeren verteilen.

7. Die zweite Teigkugel ebenfalls auf der bemehlten Arbeitsfläche ausrollen (etwa 4 mm dick) und kleine Blüten in unterschiedlichen Größen ausstechen. [Wer keine Blütenausstecher besitzt, kann den Teig auch in Streifen schneiden und gitterartig auf den Erdbeeren verteilen – oder sich anderswie kreativ austoben!] Die Blüten auf den Erdbeeren verteilen.

8. Das Ei verquirlen und die Teigblüten damit bestreichen.

9. Erdbeer-Pie im vorgeheizten Rohr etwa 45 Minuten backen. Noch warm servieren – besonders gut mit einer Kugel Vanilleeis.


Inspirieren ließ ich mich von einem Rezept aus dem Buch
OBST von Bernadette Wörndl.

6 Kommentare:

  1. ... sich kreativ austoben... das machst du wunderschön!! Mir war es um die wenigen heurigen Erdbeeren bisher zu schade, um sie zu verbacken, ich futtere sie lieber so, vielleicht gibts nächstes Jahr eine üppigere Ernte,
    lg

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    1. Danke Friederike :-)
      Wir waren heuer schon drei Mal im Erdbeerland ... da ging sich auch der eine und andere Kuchen aus ... ;-)
      Liebe Grüße!

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  2. Was für ein Vergnügen bei dir mitzulesen, das erinnert mich direkt an meine Kindheit, als ich glücklich durchs Erdbeerland marschierte. Genauso soll es sein und dein Erdbeer-Pie ist wunderschön geworden.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Danke liebe Sigrid, Dankeschön ... Liebe Grüße von Herzen :-)

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  3. Ich bin im Erdbeerland auch immer rüccksichtsvoll, brav und artig - das liegt vermutlich daran, dass der Mann klaubt (wie ist mir egal) und ich es mit dem Vater der zwei Mädchen halte "essen! essen!" glg Uli

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