Mein Vater kam vergangene Woche mit der Idee um die Ecke, im Internet eine alte, gebrauchte Kartoffelsetz-Maschine zu erwerben. So eine, bei der immer dann, wenn ein Glöckchen läutet, eine Knolle in den Acker geschmissen werden muss, damit der Abstand regelmäßig und der Platz perfekt ausgenutzt ist. Dann könnte, so seine Vorstellung, bei nächster Gelegenheit ein Streifen Wiese in einen Acker, ein Familientreffen in einen Arbeitseinsatz und eine Kiste Setzlinge in einen Erdäpfel-Jahresvorrat umgewandelt werden.
Ich finde das super – zum einen hab ich Erfahrung im Umgang mit so einem Gerät (und es ist nicht die anstrengendste Feldarbeit, btw …), zum anderen kann Selbstversorgung niemals schaden. Wobei: Eigentlich müssten wir jetzt erst mal schauen, den Bauern ihre Ware abzukaufen. Denn Erdäpfel sind derzeit, so habe ich gelesen, Lebensmittel die keiner will. Und die deshalb verbrannt, verfüttert, sogar eingeackert und kompostiert werden. Schuld ist die massive Überproduktion in ganz Europa, eine kostspielige Lagerhaltung, wenig Bedarf auf den Exportmärkten.
Ich finde: Das darf nicht sein. Deshalb hier ein Aufruf: Esst Erdäpfel! Erdäpfel aus Österreich! Kartoffeln auf die 1!
Mühlviertler Erdäpfelkas
Tja, dieser Erdäpfelkas hier, der ist eine schon lange bestehende, ganz große kulinarische Liebe und ein typisches Gericht aus der Mühlviertler Küche bzw. aus dem ganzen oberösterreichischen Raum. Neu für mich entdeckt habe ich auch die vegane Variante, bei der ihr gar nicht viel umdenken müsst, um sie zuzubereiten (nur Butter und Sauerrahm durch die entsprechenden Alternativen ersetzen). Dazu passen frische Weckerl oder knuspriges Brot sowie klassisches Jausengemüse wie Gurkerl, Radieschen und Karotten.
Zutaten für 4 Portionen
Für den Erdäpfelkas
4 große, mehlige Erdäpfel
1 mittelgroße Zwiebel
1 EL weiche Butter oder vegane Butter
4 EL Sauerrahm oder eine vegane Sauerrahmalternative (ich verwende eine auf Sojabasis)
Salz und Pfeffer
Kümmel oder Galgant
Zum Anrichten
Pfeffer aus der Mühle
Paprikapulver
Schnittlauch
Zwiebelringe
1. Erdäpfel in der Schale dämpfen, schälen, dann noch heiß mit der Gabel oder einem Kartoffelstampfer zerdrücken (dann hat der Erdäpfelkas noch etwas Biss) oder durch die Kartoffelpresse drücken (dann wird der Erdäpfelkas sehr fein). Überkühlen lassen.
2. Zwiebel schälen und fein hacken.
3. Erdäpfel, Zwiebel, Butter und Sauerrahm mit dem Kochlöffel vermengen (nicht mit dem Mixer, da der Erdäpfelkas sonst patzig wird).
4. Mit Salz, Pfeffer und Kümmel oder Galgant würzig abschmecken.
5. Den Erdäpfelkas in eine Schüssel füllen und nach Belieben mit Pfeffer, Paprikapulver, Schnittlauch und / oder Zwiebelringen garnieren.
Topfen-Vollkorn-Weckerl
Diese köstlichen Weckerl sind schnell gemacht und schmecken wie jedes Gebäck, das mit Backpulver hergestellt wird, ganz frisch am besten.
Zutaten für 8 – 10 Stück
Für den Teig
250 g Topfen (mager oder 20% F.i.T.)
1 Ei
250 g Weizenvollkornmehl
1 Packung Backpulver
1 gehäufter TL Salz
Außerdem
Mohn, Sesam, Leinsamen, etc. nach Geschmack
1. Alle Teigzutaten miteinander verkneten.
2. Den Teig in 8 – 10 Stücke teilen und jedes Stück rund formen.
3. Saaten in ein Suppenteller geben. Die Oberfläche der Teiglinge mit Wasser bestreichen und die Teiglinge dann kopfüber in den Saaten wälzen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.
4. Das Backblech in den kalten Ofen schieben. Den Ofen auf 220 °C Ober-/Unterhitze einschalten.
5. Die Weckerl etwa 20 Minuten backen, dann sollten sie gut aufgegangen und leicht gebräunt sein. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.
Tipps
- Wem 100% Vollkorn zu viel ist, kann natürlich auch nur die Hälfte Vollkorn und die Hälfte weißes Mehl verwenden.
- Ist kein Ei im Haus, kann es durch 4 EL Wasser + 2 EL Öl ersetzt werden.
- Statt die Weckerl rund zu formen kann man auch einfach den Teig etwa 1,5 cm dick ausrollen und dann Stücke (zum Beispiel Dreiecke) abstechen.
- Wer die Weckerl pur mag (ohne Saaten an der Oberfläche), kann sie beispielsweise an der Oberfläche mit einer Teigkarte der Länge nach eindrücken – das sieht auch schön aus.
Weitere 10 Erdäpfel-Geschichten und -Rezepte findet ihr hier:
- Perfekte Ofen-Pommes
- Bratkartoffel-Salat mit Giersch
- Prinzesskartoffeln mit Zitronenmelisse-Brennnessel-Spinat
- Mühlviertler Erdäpfelbrot
- Brennnesselsuppe mit Kartoffeln und Curry
- Meine Mühlviertler Mohnnudeln
- Vollkorn-Erdäpfelbutterteig-Krapferl
- Stoppelfuchs
- Mühlviertler eckige Zwetschkenknödel
- Mühlviertler Kuhhäute
Kartoffeln auf die 1!
Maria







Mehr Erdäpfel essen, ja, das unterschreibe ich sofort, wir mögen sie auch gerne! In den letzten Tagen bin ich voll darauf eingestiegen, auch weil ich zu viele Erdäpfel im Keller habe und sie schön langsam beginnen auszuwachsen. Ich überlege sogar, ein paar davon im Garten einzulegen... lg
AntwortenLöschenLiebe Friederike,
Löschengenau das haben wir heuer auch gemacht! Die Erdäpfel liegen schon in unserem (sehr kleinen) Acker im Garten - ein Kübel oder zwei wirds hoffentlich werden :-)
Alles Liebe zu dir!
Maria
2025 war witterungsbedingt ein sehr gutes Landwirtschaftsjahr, weshalb alles gut wuchs. Daher die vielen Kartoffeln. Auch Rüebli (Möhren) und andere Feldgemüse gab es reichlich. Und das Viehfutter sorgt für Milchseen und Butterberge, und Fleisch gibt es auch viel zu viel...
AntwortenLöschenGruss bea
Liebe Bea,
Löschengenauso ist es ... daher: Essen! 😅
Alles Liebe zu dir!
Maria