Bereits zum 13. Mal (!) lädt Zorra alle Brotbackbegeisterten ein,
den heutigen World Bread Day mit ihr gemeinsam zu feiern. Ich bin wieder einmal
dabei, das freut mich sehr! Danke, Zorra!
Häschen-Pancakes | Lieblings-Pancakes und Frosty Friends | Rotes Beereneis am Stiel - Rezepte.
Oft bringe ich es einfach nicht übers Herz. Ihnen zu sagen, dass es eigentlich eh ziemlich wurscht ist. Ihnen, den vielen Mamis, die mich (Hey, du bist da ja Expertin!) in regelmäßigen Abständen fragen: Wie bring ich denn mein Kind, das sich am liebsten nur von (eh klar) Nudeln, Palatschinken und Pizza ernähren würde, dazu, gesund zu essen?
Frage ich meine beiden älteren Kinder,
was sie einmal werden wollen, so lauten die Antworten: Pferdeflüsterin und Traktorfahrer.
Es sind stereotype Antworten auf die immer gleiche Erwachsenenfrage – aber es
ist einfach zu schön, auch mit ihrer Hilfe einordnen zu können, aus welchem magischen Brunnen die kindliche Welt der zwei gerade schöpft.
Nicht, dass ich nicht mit
Kindern, Mann, Hund und Haus schon genug um die Ohren hätte … Meldet sich auch
noch ein Fernsehteam an, um mich bei der Zubereitung von Mühlviertler Mohnnudeln zu filmen. Na Servus! Beim Lesen der
Drehanfrage war mein erster Gedanke: Nein.
Woher die Zeit nehmen? Und überhaupt: Ich im Fernsehen? Hilfe! Doch dann kam
mir ein Zitat von Nina Ruge in den Sinn (Danke, Erika!): Wo die Angst ist, geht es lang. Und so richtig und wichtig diese
Worte sind, so sehr habe ich, im Nachhinein und ganz persönlich betrachtet, von
meinem Ja zur Anfrage profitiert.
Nun ist das Minimädel also
eingeschult. Meine kleine, unfassbar süße Tochter, die ich ja eigentlich genau
genommen so gar nicht mehr als Mini
bezeichnen kann (stolze 119 cm, gerade gemessen). Mit der ich bereits
Endlosdiskussionen führen muss (Den Biomüllkübel in den Garten bringen?
Unzumutbar. Nur eine Folge Bibi &
Tina? Geht gar nicht), die gleichzeitig aber auch nichts lieber tut, als an
meinem Rockzipfel zu hängen - vor allem dann, wenn ich allein das Haus
verlassen will. Und sei es nur, um kurz mit Chi
nach draußen zu gehen (Mama, ich will bei
diiiiiiir sein).
An den Kindern sieht
man, wie die Zeit vergeht. Wie sie verfliegt, vorüberzieht. Ihre Spuren
hinterlässt. Gerade noch saß der kleine Mann neben mir im Gras und kostete von
Grünzeug, Erde und Steinen. Jetzt saust er mit Wichtelgeschwindigkeit und
zurückgebogenen Armen durch die Gegend, kennt die wichtigsten Traktormarken
auswendig (John Deere, Deutz, David Brown, Steyrer, alles kein Problem) und
lässt es mich eindringlich wissen, wenn er mich braucht (Mama … MAMA!!!).
Manchmal erliege
ich der Versuchung zu glauben, als ÖsterreicherIn könne man sich nur im Fußball
blamieren. Jetzt wiederholen wir also die Bundespräsidentenwahl. Und der knapp
unterlegene Rechtspopulist Hofer, der von sich selbst behauptet, kein
schlechter Verlierer zu sein (Ha!),
kokettiert bereits mit einem Öxit.
Erst kommt das
Fressen, dann die Moral. Sofern sie überhaupt kommt, die Moral. Ein paar
Seitenblicke in voll beladene Einkaufswägen im Supermarkt reichen aus, um auf
die Idee zu kommen, dem Konsument von heute würden zwei Ebenen völlig genügen,
um seine Kaufentscheidungen zu fällen: 1. Viel / nicht viel. 2. Billig / teuer.
Und gerade was Fleisch und Wurst betrifft, lassen wir die Moral nur allzu gerne
außen vor. Gerade der Akt des Tötens […]
findet in unserer Wahrnehmung nicht statt, schreibt Christian Seiler in
seinem Essay Erst kommt die Moral, dann das Fressen. Und weiter: Der Tod der
Tiere, die wir essen, wird professionell verschleiert und kollektiv verdrängt.
[…] Niemand, der sich nur ein bisschen mit der Massentierhaltung auseinander
gesetzt hat, kann behaupten, es handle sich dabei um einen moralisch zu
vertretenden Umgang des Menschen mit Tieren.
Erst ein mickriges Weihnachtskeks-Rezept in
diesem Advent? Und das bei einer Mutter, die jedes Jahr zwischen 20 und 30
Sorten bäckt (siehe oben)? Stimmt, das geht gar nicht. In aller Eile seien daher
so kurz vor dem Heiligen Abend noch drei meiner Weihnachtslieblinge verraten -
Kekse, die seit meiner Kindheit alljährlich gebacken werden und die ich
tatsächlich über alle Maßen liebe – und esse.
In
meiner Erinnerung ist Weihnachten untrennbar mit einem ganz besonderen
Geschmack verbunden: Dem Geschmack von Omas Lebkuchen. Zu keiner Zeit kostete
ich irgendwo einen besseren und so ist es noch heute. Dank Omas Rezept hole ich
mir die Wintertage von damals zurück, als weiße Weihnachten die Regel und nicht
die Ausnahme waren. Wir saßen alle rund um den großen Tisch in der Küche, der
Onkel erzählte Witze ohne Unterlass, wir lachten und sangen Lieder. Unvergessen
bleibt mir auch der Nachmittag, als wir alle in der Stube zu lateinamerikanischen
Rhythmen tanzten, jung und alt – und Oma im Rollstuhl.
Sonnengelbes Safrangebäck
in Zeiten winterlicher und menschlicher Kälte: Das ist Luxus. Luxus, der sich
um Magen und Herz schmiegt, beides wiegt und wärmt. Ich bin verliebt.
Diese Naturwissenschaft
… Wieder einmal hat sie akademisch belegt, was der Hausverstand doch längst
schon weiß: SelberköchInnen ernähren sich gesünder. Der Erkenntnisgewinn aus diesem
Ergebnis ist mager auf den ersten Blick, aber hey, das dicke Ende kommt ja
noch: Sie tun das nämlich nicht nur daheim, sondern auch dann, wenn sie außer
Haus essen. Sagt die Studie. Und das ist wirklich interessant.
Man weiß, wenn es
die große Liebe ist. Man weiß und spürt es. Zwischen Menschen ist das so – und
auch beim Essen. Und da wie dort sind es wohl die kleinen Momente, die wirklich
wichtig sind. Zum Beispiel? Das Schnuppern am warmen Brotlaib, wenn er aus dem
Ofen kommt, das Krachen und Knistern seiner Kruste. Das erste schüchterne
Hineinschmecken, der erste Bissen – lauter kleine kulinarische Momente, die für
mich eine große Liebe bedeuten: Die Liebe zu selbst gebackenem Brot.
das Minimädel beim
Abendessen ihr ganzes Gesicht inklusive Haaransatz mit einer fettigen Palatschinke
bedeckt und sich daran freut, wie warm sich das anfühlt,
mich der kleine
Mann beim Wickeln in hohem Bogen und sehr hingebungsvoll segnet und das ganze
Kinderzimmer noch dazu,
In meiner Kindheit
wurde samstags gebacken. Jeden Samstag. Damals gehörte es zum guten Ton, zu
jeder Zeit Kuchen servieren zu können, auch wenn unangekündigter Besuch vor der
Haustür stand. Das war eine Sache der hausfräulichen Ehre und außerdem: In
unserer sechsköpfigen Familie wurde der Kuchen auch ohne Gäste nicht schlecht.
Beim Backen halfen wir Kinder fleißig, besonders natürlich beim Aus- und
Abschlecken von Schüsseln und Rührwerkzeug. In Wahrheit mochte ich den
ungebackenen Teig sogar fast lieber und in späteren Jahren war dann auch eine
kleine Menge frisch hergerichteter Biskuitteig eine durchaus gängige
Zwischenmahlzeit bei mir.
Das ist
die alte Rein meiner Mühlviertler Oma. Die Rein steht auf Mühlviertler Zwilch. Und
in ihr drin ist traditionelles Mühlviertler Essen. Das ist so einfach und so
gut, dass es mich ganz glückselig macht, auch wenn der Name des Gerichts ein
bisserl komisch ist: Es ist nämlich ein Schedl. Noch dazu wird dieses Wort bei
uns eher schlampig ausgesprochen, mit einem zähen „e“ und das „d“ lassen wir
komplett weg. Müsste ich es aufschreiben, dann stünde da: Schä’l oder so. Und da muss ich zugeben: Verheißung klingt anders.
Aber so sind wir halt, wir Mühlviertler. Ganz eigene Schedln. Mit ganz eigenen,
wunderbaren Rezepten.