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Montag, 10. August 2015

Rezension:
Gesund backen mit Veganpassion


Stina Spiegelbergs erstes Buch, Das große Veganbackbuch, habe ich im Buchladen vor nun schon längerer Zeit nach einigem Durchblättern wieder ins Regal zurückgestellt – zu margarinelastig war es mir, zu viel an Sojasahne und Cuisine wurde verwendet. Das Gefühl kam auf, veganes Backen bestünde lediglich aus dem simplen Ersetzen tierischer Zutaten durch die entsprechenden tierfreien Alternativen. Dafür brauche ich kein Kochbuch, dachte ich mir.
Ihr neues Buch hingegen, Gesund backen mit Veganpassion, hat mich aus zwei Gründen neugierig gemacht: Zum einen wegen dem Wörtchen Gesund im Titel – wenn vegane Küche an sich schon für eine gesunde Küche steht, was dürfte ich mir dann von einer gleich doppelten Betonung erwarten? Zum anderen erhoffte ich mir eine Weiterentwicklung von Stina Spiegelbergs Rezepturen – in Richtung einer kreativeren und vielfältigeren Herangehensweise an veganes Backen.

Tatsächlich bin ich jetzt, nachdem ich mir das Buch intensiv zu Gemüte führen durfte, etwas zwiegespalten. Dazu gleich mehr.

Das Buch


Stina Spiegelbergs Buch Gesund backen mit Veganpassion ist auf den ersten Blick genau wie die Autorin selbst: Hübsch, sehr hübsch. Mit pinkfarbenem Lesebändchen ausgestattet, farbenfroh und angefüllt mit lieblicher Deko. Das passt auch irgendwie, ja, ganz gut sogar. Spätestens mit den Einleitungsseiten verschwindet dieser oberflächliche Eindruck jedoch und weicht der Erkenntnis, dass die Autorin offenbar weiß, wovon sie redet, vor allem, wenn es ums Handwerk geht.

Die Rezepte im Buch sind mit verschiedenen Buchstaben gekennzeichnet, die auf spezielle Eigenschaften der Gerichte hinweisen: Glutenfrei, Vollwert, Zuckerreduziert, Fettreduziert, Sojafrei, Antioxidantien. Diese Kennzeichnungen erklärt Stina Spiegelberg zu Beginn. Dann folgt ein Warenkunde-Teil, dem ich einiges abgewinnen kann. Die Autorin liefert beispielsweise praktische Tipps, die im Backalltag gut umsetzbar scheinen, wie etwa die Umwandlung herkömmlicher Rezepturen in eine glutenfreie Variante mit der Faustregel, 4/5 des normalen Mehls durch glutenfreies Mehl und das restliche Fünftel durch Tapiokastärke oder Pfeilwurzelmehl zu ersetzen. Oder Stevia mit Agavendicksaft zu kombinieren, um dessen Eigengeschmack zu bremsen. Auch das Thema Backen ohne Ei wird sehr gut erklärt.

Stina Spiegelberg hat mich außerdem darüber aufgeklärt, dass es einen Unterschied gibt zwischen veganer Butter und Margarine. Vegane Butter enthält keine trans-Fettsäuren und ist demnach gesünder. Da frage ich mich jedoch, wie ich das als ganz normaler Konsument erkennen kann? Oder sind solche Produkte entsprechend gekennzeichnet? Hier wären Markenbeispiele hilfreich gewesen. Im Grunde spielt es aber eh keine Rolle – zumindest nicht für mich. Denn egal ob vegane Butter oder Margarine: Wir werden wohl nie gute Freunde werden.

Weiter geht es dann mit einer Top Ten-Liste der gesunden Lebensmittel, mit einer durchaus nützlichen und entstaubten Übersicht, wie sich Weißmehl, raffinierter Zucker, Butter / Margarine usw. auf kreative Art und Weise ersetzen lassen, mit Ideen, wie Gebäck bewusst verziert werden kann (plus einem Rezept für vegane Schokoglasur) sowie mit 10 schnellen Backtipps. Einer davon: Wenn Sahnetorten eine kurze Transportstrecke aushalten sollen, können sie zuvor etwa eine halbe Stunde in den Tiefkühler gestellt werden. Was für eine Idee! Wie oft ist mir schon ein solches Prachtstück zusammen gesunken oder auseinander gerutscht … So könnte es funktionieren.

Folgende Kapitel finden sich im Buch:

  • Einleitung
  • Teegebäck & Cookies
  • Kleines & Feines (Rezepte für Tartelettes, Madeleines, Minikuchen, Muffins, Riegel, Doughnuts, …)
  • Kuchen & Torten
  • Backen ohne Backen (Rezepte für rohes Gebäck wie Pralinen, Chia-Brownies, Energiekugeln, Tartelettes, Cakepops, Cupcakes, …)
  • Herzhaftes

Den Abschluss bildet ein Anhang mit Informationen zu Haltbarkeit und Verpacken, Vorlagen für Wimpelketten oder Cupcake-Toppers, einer Übersicht der Rezepte und der jeweiligen Kennzeichnungen, einem Glossar sowie einem alphabetisch geordneten Rezeptregister.


Die Rezepte


Die Rezepte im Buch (jedes davon bebildert) sind zuckersüß – im wahrsten Sinne des Wortes. Kein Backtrend fehlt, Cakepops, Cupcakes, Chia, Stevia, Pseudocerealien, Buchweizen, Hanf – alles vorhanden. Hier und da hätte ich mir eine kreativere Umsetzung der Rezepturen gewünscht (wie ich sie beispielsweise in Bernd Sieferts vegan & süß entdeckt habe), vor allem das Kapitel über Cookies und Teegebäck kommt leider nur selten ohne vegane Butter aus. Auf der anderen Seite verwendet Stina Spiegelberg eine große Auswahl an (Vollkorn-)Mehlsorten und alternativen Süßungsmitteln, was mir wiederum sehr gut gefällt.

Nachgekocht

Zwei Rezepte habe ich für eine Familien-Grillerei gebacken und mich dabei bewusst für Gebäck entschieden, das ohne Margarine und Sahneersatz auskommt. Beide sind, vor allem bei den Kindern, sehr gut angekommen: Die Chocolate-glazed Pumpkin-Doughnuts (sie hätten gerne auch als Kürbis-Doughnuts mit Schokoglasur bezeichnet werden können) habe ich in der Karotten-Variante gebacken:


Chocolate-glazed Pumpkin-Doughnuts


Zutaten für 12 Stück (ich habe die Doughnuts mit Hilfe einer Mini-Form gebacken und 18 Stück erhalten)

180 g Hokkaidokürbis (nach dem Entkernen und Schälen: 100 g)
2 EL Wasser
1 EL Zitronensaft

120 g Dinkelmehl Type 630
50 g Rohrohrzucker (ich: Rohrübenzucker)
1 TL Backpulver
je 1 Messerspitze Zimt, Vanille und Salz
Abrieb ½ unbehandelten Orange
30 ml Pflanzenöl (ich: Rapsöl)
50 ml prickelndes Mineralwasser
50 ml Orangensaft
30 g zartbittere Schokotropfen

Zum Verzieren
100 g Zartbitter-Kuvertüre
1 EL bunte Zuckerperlen

1. Den Kürbis klein schneiden und mit Wasser und Zitronensaft in einen Topf geben. Aufkochen, dann bei schwacher Hitze und geschlossenem Deckel etwa 15 Minuten garen, bis er weich ist. Mit der Gabel zerdrücken und auskühlen lassen. (Ich habe anstelle des Kürbispürees Karottenmus verwendet.)

2. Backofen auf 170 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

3. Mehl, Zucker, Backpulver, Gewürze und Orangenschale mischen.

4. Die Mehlmischung mit Öl, Wasser und Orangensaft glatt rühren, dann das Kürbispüree (ich: Karotte) und die Schokotropfen unterheben.

5. Den Teig in ein gefettetes Doughnuts-Backblech füllen und etwa 30 Minuten backen.

6. Die Doughnuts in der Form kurz überkühlen lassen, dann auf ein Kuchengitter stürzen und vollständig abkühlen lassen.

7. Für die Glasur die Schokolade im Wasserbad oder in der Mikrowelle schmelzen. Die Doughnuts damit überziehen und mit Zuckerperlen bestreuen.

Sollte kein Doughnuts-Backblech vorhanden sein, kann der Teig mit 30 ml weniger Flüssigkeit zubereitet werden. Dann den Teig in einen Spritzbeutel füllen, in Kreisen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech spritzen und backen.


Auch die Brownie Lover Cookies sind sehr gut gelungen, sie schmecken sehr knusprig und schokoladig, allerdings mir persönlich viel zu süß.

To Cook-Liste

Auf dieser Liste finden sich noch:

  • Aprikosen-Riegel
  • Melasse-Doughnuts mit Apfel
  • Schoko-Kokos-Torte
  • Aronia-Energiekugeln
  • Kokos-Zitronen-Ecken
  • Ratatouille im Quarkteigmantel
  • Tahin-Spinat-Brezeln
  • Linsen-Bolognese

Fazit: Gesund backen mit Veganpassion verspricht dem Leser Ein kleines Stück vom veganen Glück. Mit den zwei Rezepten im Blick, die ich bereits gebacken habe, könnte ich ihr vermutlich zustimmen. Nur wie gesagt: Ich bin etwas zwiegespalten. Mir gefällt Stina Spiegelbergs Devise: Selber backen statt kaufen. Ich mag die Vielfalt an Zutaten, die sie verwendet, wobei ich hier und da Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit orte (Amaranth- und Quinoamehl gibt es hier sogar, aber Hanfmehl? Hirsemehl?). Ihre Kreativität und ihr spielerischer Umgang mit veganem Backen spricht mich an. Aber nach wie vor verwendet sie für meinen Geschmack zu oft vegane Butter, die, so denke ich, nicht 100%ig zum Gesundheitsgedanken passt. Und hier und da wird mir auch die Sache mit Chia, Cakepops, Matcha & Co. eine Spur zu viel.
Wen das jedoch nicht stört und wer gerne nicht nur vegan, sondern auch hübsch backen möchte: Bittesehr!

Gesund backen mit Veganpassion
von Stina Spiegelberg
Gebundene Ausgabe, 216 Seiten
NeunZehn Verlag, 1. Auflage 2015
ISBN: 978-3942491570
Preis: € 19,95

Ein herzliches Dankeschön an den NeunZehn Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

5 Kommentare:

  1. Was ein süßer Schokofratz!
    Mit Donuts bin ich nicht zu kriegen, aber mit den Schoko-Cookies!

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    1. Ich bin mir sicher, die Donuts würden dir schmecken :-)
      Der Schokofratz mir den verschmierten Händen ist mein alles- und immer-essender dreijähriger Neffe ... Und der zweite Schokofratz, der schon ein bissl gesitteter, aber dafür nicht weniger isst, mein sechsjähriger Neffe. Es war wirklich süß, ihnen beim Genießen zuzusehen :-)))

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  2. Schleiche schon länger um das Buch herum. Weil ihr Erstlingswerk in meiner Fehlkaufecke steht, bin ich aber ziemlich skeptisch. Und jetzt noch mehr, denn Cake-Pops, Cupcakes, Matchagebäck, Stevia, Amaranthmehl und Co. sind nicht so mein Ding. Danke für die ausführliche Rezension.

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    1. Du hast eine Fehlkaufecke, wirklich? Was machst du denn dann mit deinen Fehlkäufen? Bei mir stehen ja auch einige herum, vielleicht hast du ja eine bahnbrechende Idee ;-)

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  3. Vielen Dank, dass du deine ehrliche Meinung und deine Erfahrungen mit uns geteilt hast. Dein Beitrag hat mir definitiv Lust gemacht, dieses Buch selbst auszuprobieren und meiner Backroutine eine gesunde Note zu verleihen.

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