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Samstag, 28. September 2019

Morgengrauen:
Wilder Avocado-Toast mit gefüllten Springkrautblüten

Wilder Avocado-Toast mit gefüllten Springkrautblüten - Rezept. 
Wenn ich ehrlich bin: Mir graut vor morgen. Neuwahlen. Und die Vorzeichen, sie stehen auf Repeat.

Von mir aus könnte es ja unbegrenzt so weitergehen: Eine Expertenregierung arbeitet ruhig und bedacht ihre Inhalte ab, parteipolitisch ist es ruhig (so herrlich ruhig!) und keine menschgewordenen Kampfhähne schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein oder das Hackl ins Kreuz. Ach, schön wäre das.

Aber so wird es leider nicht bleiben und das spürt man auch. Spätestens seit auf den Wahlplakaten von Heimattreue zu lesen ist, kocht es wieder hoch, das Thema Migration. Bin ich mal nicht so und koche mit – wobei bei mir Zutaten und Endergebnis freilich anders aussehen.

Migration gab es immer schon und wird es immer geben. Und Migrationshintergrund haben nicht nur Menschen, sondern natürlich auch Pflanzen. Während ringsum die üppige Blütenpracht des Sommers unübersehbar ihr Ende nimmt, blüht eine von ihnen unverdrossen weiter: das Indische Springkraut. Vom Indischen Subkontinent aus fand es im 19. Jahrhundert seinen Weg nach Europa – und steht nun mannshoch an Flussufern und in feuchten Wäldern. Lange Zeit wusste ich nicht so recht, was ich mit ihm anfangen sollte und schielte misstrauisch in seine Richtung. Ist es gut, dass es da ist? Oder gehört es weg? Ist es giftig? Oder kann ich es vielleicht sogar nutzen?

Ich fand heraus: Die Blätter des Indischen Springkrauts gelten als leicht giftig, laden aber aufgrund ihrer geschmacklichen Eigenschaften ohnehin nicht zur kulinarischen Verwertung ein. Ganz anders hingegen die Blüten und Samen: Beide können auf vielfältige Art und Weise genossen werden. Spätestens an jenem Tag, an dem die Begeisterung des Minimädels für die Aufplatzblume ihren Anfang fand, habe ich also beschlossen, mich an dieser Pflanze zu freuen. Ich mag ihre großen, aus- und einladenden Blüten, die Apfelmus Barbie-rosa färben, ein Hingucker sind in jedem Salat und sich süß oder herzhaft füllen lassen. Ich mag ihre wild aufspringenden Samenkapseln, die Kinder (und mich!) stundenlang beschäftigen können. Und ich mag den Namen, den sie früher trug: Bauernorchidee.

Bin ich mit Freunden in der Natur unterwegs und bietet sich die Gelegenheit, halte ich ihnen gerne die Samen des Indischen Springkrauts unter die Nase. Niemand mag es so recht glauben, dass man sie essen kann, so gut wie alle sind zu Beginn skeptisch. Aber schließlich ist doch stets die Überraschung groß, wie herrlich diese Samen schmecken, saftig und knackig und mit einem wunderbaren Walnussaroma.

Bleibt neugierig!


Wilder Avocado-Toast mit gefüllten Springkrautblüten


Avocado-Toast – das war ja voll der Trend, angeblich. Wie immer kriegte ich erst dann davon mit, als aus Trend bereits Mainstream geworden war und Foodies längst anderes interessierte. Aber egal, auch wie immer.
Ich mag meinen Avocado-Toast wild und bunt und wunderbar, mit rustikalem Bauernbrot und gefüllten Springkrautblüten. Für den besonderen Biss sorgen knackige Springkrautsamen, die uns gerade reichlich zur Verfügung stehen. Es gibt sie in drei Farben: Weiß-gelblich (das sind die jungen Samen), bräunlich (diese Samen sind schon etwas älter) sowie dunkelbraun bis schwarz (reife Samen). Alle drei schmecken vorzüglich! Um sie zu sammeln, umfasse ich ein Bündel an Samenkapseln mit der hohlen Hand und bringe sie dann mit etwas Druck und kontrolliert in meiner geschlossenen Hand zum Platzen. Dann gebe ich alles in ein mitgebrachtes Gefäß oder Sackerl und sortiere es zuhause aus. Eine andere Erntemethode haben Karin und Renate hier beschrieben.

Zutaten für 2 Portionen

Für den Avocado-Toast
2 Scheiben Bauernbrot
Olivenöl
1 reife Hass-Avocado
Zitronensaft, Salz und Pfeffer

Für die gefüllten Springkrautblüten
60 g Cashew-„Feta“ (ersatzweise normalen Feta verwenden)
1 Knoblauchzehe
1 EL Naturjoghurt 10 % Fett
1 Handvoll Kräuter: Basilikum, Schnittlauch, Estragon, Giersch
½ TL Zitronensaft
Salz, Pfeffer
8 – 10 schöne große Springkrautblüten, von blassrosa mit dunkelpink

Zum Anrichten und Garnieren
Springkrautsamen
Fleur de Sel
Pfeffer aus der Mühle
frische Kräuter
Zitronenscheiben

Das Bauernbrot toasten. Jede Brotscheibe mittig schräg durchschneiden und dann eine Hälfte auf die andere Seite drehen – die Schnittflächen so zusammenlegen, dass ein Herz entsteht. Die Brotherzen auf Teller legen und mit einem Hauch Olivenöl bepinseln.

Avocado halbieren und den Kern entfernen. Das Fruchtfleisch herauslöffeln und in eine kleine Schüssel geben. Mit einer Gabel nicht zu fein zerdrücken und mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzen. Auf die Brotherzen streichen.

Die Springkrautblüten auf Insekten kontrollieren und beiseitelegen. Für die Füllung Feta, Knoblauch und Kräuter grob hacken und gemeinsam mit dem Naturjoghurt mit dem Stabmixer pürieren. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Füllung in einen Spritzbeutel mit langer, schmaler Tülle geben und die Blüten damit füllen.

Die gefüllten Springkrautblüten auf den Broten arrangieren. Springkrautsamen darüber streuen. Mit Fleur de Sel und frischem Pfeffer aus der Mühle würzen.

Mit frischen Kräutern und Zitrone garnieren.

18 Kommentare:

  1. Lustig, gerade vorher habe ich beim Spazierengehen mit den platzenden Kapseln gespielt. Ich fand diese Blüte immer schön als Bereicherung unserer ansonsten farb-armen Wälder. Danke für dein Plädoyer für die Bauernorchideen - und dass man sie sogar essen kann! Es gibt ja wahrlich genug. Liebe Grüße und ich drücke die Daumen für morgen.

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    1. Das Daumendrücken hat geholfen - das ist noch mal gut gegangen :-)))

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  2. Liebe Maria,
    vielen Dank für diesen informativen Artikel :-) ! Ich wusste bisher nicht, wie diese Pflanze überhaupt heißt oder was das ist. Und schon gar nicht, dass man die Samen essen kann :-) ! Toll. Wieder was dazu gelernt. Das ist perfekt für meinen Sammeltrieb :-) !
    Liebe Grüße
    Eva

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    1. Dann auf in den Springkrautwald, es gibt noch reichlich :-) Alles Liebe, Eva!

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  3. Der Name Bauernorchidee gefällt mir, das klingt, als wäre die Pflanze immer schon bei uns und kein invasiver Neophyt. Ich wusste, dass man die Samen essen kann, nur hab ichs nie probiert, danke für die Anregung!!
    lg

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  4. Das ist ja spannend, die tollen Infos rund um das indische Springkraut. Wenn ich es das nächste Mal sehe, werde ich es mit ganz anderen Augen anschauen. Deinen Avocado-Toast mit den gefüllten Blüten möchte ich zu gerne probieren.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Das freut mich, wenn ich dich zu einer Springkrautjagd verführen kann demnächst :-) Liebe Grüße!

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  5. Auch wenn ich kein Freund von Avocado bin, teile ich viele deiner Gedanken und das (Brot-)Herz, das erfreut mich so sehr!

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    1. Wie schön :-) Kommt halt Kräutertopfen auf dein Brotherz, oder?
      Alles Liebe!

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  6. Natürlich musste ich deinem Link folgen und hab das entzückende Video gesehen, wie die Kapsel platzt. Ich bin begeistert!
    Dein Brotherz mag ich sehr.

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  7. Springkrautblüten und -samen kann man tatsächlich verwenden? Das ist ja toll! Ich finde die Blüten so wunderschön, sind meistens die einzigen Farbtupfer neben den Radwegen.
    Danke für den wunderschönen Beitrag, deine Gedanken und natürlich das Rezept!
    Liebe Grüße, Julia

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  8. Das Springkraut und ich haben eine Hass-Liebe, weil die Blüten gar soooo stinken, das ist ein Überbleibsel (mit der Aloe Vera) meiner Schwangerschaften, dass ich sie nimmer riechen kann, aber dafür mag ich die Samen sehr gerne und hau mir gerne ein großes Löffelchen ins Müsli. Dein Avocado-Brot schaut herzhaft lecker aus, das mach ich auf alle Fälle nach - nur die Blüten, werde ich mit Kapuzinerkresse ersetzen.
    liebe Grüße Uli

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    1. Echt, du findest, sie stinken??? Das ist mir ja auch noch nicht untergekommen ;-)))
      Aber ja, für die Kapuzinerkresse hast du - natürlich - meinen Segen :-)
      Liebe Grüße!

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  9. Also, ich mags nicht, das Springkraut. Drückt mir immer alle Bäumchen nieder, die ich im Wald pflanze. Aber immer noch besser als die stacheligen, widerhakigen Brombeerstauden im Wald :-)

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