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Mittwoch, 20. Mai 2015

Cumarin to go und eine Maibowle light:
Maibowle light


Erstaunlich, wie blind ich manchmal durch die Gegend (durch das Leben?) laufe. Aufgaben scheinen schwierig zu knacken, dabei liegt der Schlüssel zum Glück oft so knapp vor meinen eigenen Füßen, dass ich ihn gar nicht sehe, geschweige denn als solchen erkenne. Manchmal geht es mir auch mit der Suche nach bestimmten Wildpflanzen so. Ich überlege, wo sie wachsen könnten, fahre Umwege, werde ganz unrund, wenn ich erfolglos bleibe. Irgendwann hake ich das Thema dann ab – und entdecke plötzlich, dass das gesuchte Kraut in meinem eigenen Garten wächst. Wie war das noch mal mit dem Loslassen? Mit den offenen Augen, mit denen man durchs Leben laufen soll? Und überhaupt: Alles hat – und braucht! – seine Zeit. 


Ruchgras: Dass es in meinem Garten wächst, habe ich schon vor längerem entdeckt. Dass es aber ganz in der Nähe in rauen Mengen wuchert, das weiß ich erst seit diesem Mai.


Dem Ruchgras verdanken wir den wunderbaren Duft, der ganzen Landstrichen und den Menschen, die in ihnen wohnen, die Sinne vernebelt, wenn im Sommer das Heu eingebracht wird. Verantwortlich dafür ist das Cumarin, das auch dem Waldmeister sein unverwechselbares Aroma verleiht. Ich liebe es, hin und wieder beim Spazierengehen an den Stängeln des Ruchgrases zu kauen. Der feine Geschmack nach Bittermandel, ein wenig nach Vanille, macht mich heiter und ausgelassen. Vielleicht fühle ich mich dann sogar ein ganz klein wenig verrucht … Das ist Cumarin to go! Ruchgras ist übrigens getrocknet auch ganz hervorragend zum Räuchern geeignet.


Maibowle light


Die klassische Maibowle besteht aus Weißwein, Waldmeister und Sekt, manchmal wird mit Zucker gesüßt und mit Eiswürfeln serviert. Meist wird empfohlen, den Waldmeister zuvor über Nacht anwelken zu lassen, damit sein typisches Aroma zum Vorschein kommen kann. Die Pflanze sollte außerdem vor der Blüte verwendet werden, damit der Cumaringehalt nicht allzu hoch ist und es sollten auch nur die Blätter in den Wein getaucht werden, nicht jedoch die Stängel, um einen unerwünschten bitteren Geschmack zu vermeiden.
Für meine Maibowle light habe ich die meisten dieser Regeln missachtet – und das Getränk schmeckte trotzdem köstlich und aromatisch. Der Waldmeister kam frisch in den Wein (es war gezüchteter Waldmeister aus dem Garten meiner Mutter – ich vermute ja, dass die Zuchtform stärker aromatisiert als der wilde aus dem Wald), dazu ein wenig Ruchgras – mit den Stängeln voran. Aufgespritzt habe ich dann nicht mit Sekt, sondern mit Erdbeersaft und Soda – voilà: Der Maibowle ist ihr Gewicht genommen, sie schmeckt leicht und dezent dekadent.

Zutaten

1 Liter guter Weißwein (ich habe einen fruchtigen Riesling verwendet)
1 Strauß Waldmeister
1 Strauß Ruchgras
Erdbeersaft und Soda zum Aufspritzen nach Geschmack
Eiswürfel

1. Den Weißwein in ein Gefäß mit größerer Öffnung leeren.

2. Waldmeister und Ruchgras zu einem Strauß binden (wer mag, kann die beiden vorher über Nacht anwelken, also einfach bei Zimmertemperatur liegen lassen) und in den Weißwein hängen.

3. Den Wein einige Zeit ziehen lassen, bei mir waren es einige Stunden.

4. Den Strauß entfernen und den Wein einkühlen.

5. Wein mit Erdbeersaft und Soda nach Geschmack aufspritzen, wer mag, serviert mit Eiswürfeln.

4 Kommentare:

  1. ja, alles hat seine Zeit und es kommt zu dir, wann du es brauchst...
    Ruchgras ist mir jetzt nicht bewusst und ob ich das erkennen würde, lg

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  2. Ruchgras kenne ich nicht, aber Waldmeister habe ich auch in rauen Mengen auf Balkonien. Und ich finde, du hast recht: Die Zuchtform schmeckt fast noch ein wenig intensiver als der Waldmeister, den ich aus dem Wald kenne.
    Cumarin mag ich sehr gern, auch Tonkabohnen liebe ich.

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    1. Genau, die Tonkabohnen ... Das wusste ich bis vor kurzem auch nicht, dass die Cumarin enthalten. Und gekostet hab ich sie auch noch nie. Arg, oder? ;-) Liebe Grüße vom Mädel!

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