Seiten

Samstag, 26. Juli 2014

Leider geil:
Hollersekt


Ausgerechnet das Minimädel, das manchmal mitten in der Nacht aufwacht und sagt: Mama, ich hab dich lieb, das so gern betont: Ich bin die Freundin aller Tiere, und das des Öfteren beim Abendessen ausruft: Mmmh, das schmeckt grooooßartig! Einfach wunderbar! Ausgerechnet dieses Minimädel sagt jetzt: Geil.

Der Ausdruck hat sich wie über Nacht in den Wortschatz meiner Tochter geschlichen und als der erste Schock nachgelassen hatte, wurden mir zwei Dinge klar: Nein, es ist nicht der Verfall der Sprachkultur in unserem Haus, es ist einfach ein Zeichen der Zeit. Und ja, auch das Minimädel wird irgendwann erwachsen und mich nicht mehr brauchen und überhaupt und sowieso.

Da holte ich mir eine Flasche vom heurigen Hollersekt aus dem Keller. Lauschte dem kräftigen Zischen beim Öffnen, beobachtete das Moussieren beim Eingießen und das zarte Beschlagen des Glases. Genoss den Hollerblütenduft, das Perlen auf der Zunge, die angenehme Süße. Schmeckt grooooßartig!, dachte ich mir. Und alles war wieder gut.


Hollersekt


Für Hollersekt gibt es eine Vielzahl von Rezepten, das Grundprinzip ist jedoch immer gleich: Wasser + Hollerblüten + Zucker + Säure = ungeahnte Köstlichkeit. Die vier Zutaten werden für einen Tag bei Zimmertemperatur angesetzt. Der Ansatz dient dazu, die auf den Blüten natürlich vorkommenden, zuckerliebenden Hefen möglichst gut zu vermehren und die Gärung zu starten. Gleichzeitig verhindert die Säure im Ansatz (je nach Rezept können Zitronensaft, Zitronensäure oder Essig verwendet werden) ungewolltes Schimmelwachstum. Nach dem Abfüllen in die Flaschen arbeiten die Hefen dann auf Hochtouren und setzen den Zucker in Kohlensäure und geringe Mengen an Alkohol um. Das fertige Getränk enthält dann zwischen 1 und 2 % davon.
In den meisten Rezepten wird die Flüssigkeit in stabile Glasflaschen abgefüllt und mit Korken und Schnur verschlossen, ich gehe hier jedoch einen pragmatischen Weg und fülle in Kunststoffflaschen ab. Das mag zwar ästhetisch nicht der Knaller sein, dafür bleiben mir unkontrollierte Keller-Knaller erspart.
Der verwendete Essig in diesem Rezept ist im fertigen Getränk noch ganz leicht spürbar. Mich stört das nicht, wer sich das jedoch nicht vorstellen kann, verwendet stattdessen Zitronensäure oder –saft (zu den dann benötigten Mengen kann ich derzeit leider nichts sagen – vielleicht im nächsten Jahr).
So ein Sekt lässt sich übrigens offenbar auch mit anderen Blüten herstellen, zum Beispiel mit Lindenblüten.


Zutaten für etwa 6 Liter

20 voll aufgeblühte Hollerblütendolden
750 g Zucker
5 Liter Wasser
1 unbehandelte Zitrone, in Scheiben geschnitten
125 ml Weinessig

1. Zucker im Wasser vollständig auflösen.

2. Hollerblüten, Zitronenscheiben und Essig dazugeben und die Mischung unbedeckt 24 Stunden stehen lassen (eventuell mit einem Netz abdecken, um sie vor neugierigen Krabbeltieren zu schützen).

3. Die Flüssigkeit abseihen, in stabile Kunststoffflaschen abfüllen und verschrauben.

4. Der Sekt bleibt nun etwa 3 – 4 Wochen stehen, er sollte dunkel und stehend gelagert werden. Vor dem Genuss im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.

Nach einem Rezept aus dem Buch „Die österreichische Vorratskammer“ von Ingrid Pernkopf und Willi Haider, erschienen im Pichler Verlag.

10 Kommentare:

  1. Schaut das vielversprechend aus, ich kenne Hollersekt gar nicht...
    Da werde ich nächstes Jahr auf jedenfall einige Flaschen ansetzten ;-)
    Herzliche Grüsse,
    Sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es schmeckt auch so :-) Seeehr vielversprechend. Liebe Grüße!

      Löschen
  2. Hollersekt! Den hab ich in meinen jungen Jahren einmal gemacht und er ist kaputt geworden. Du meinst, der geht so einfach? Sollte ich wieder einmal einen Versuch wagen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. JAAAAA! Aber halt erst nächstes Jahr :-) Bei mir hat er jetzt schon zwei Jahre hintereinander funktioniert ...

      Löschen
    2. hey wie lange ist er haltbar werden?




      Löschen
    3. Hey! Ich denke, ein halbes Jahr sollte er schon halten ... War das deine Frage?

      Löschen
  3. Der kann nur groooßartig schmecken (Copyright by Minimädel :-)) Ich hab mich auch noch nicht dran getraut, vllt sollte ich ja doch mal?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Unbedingt, liebe Himbeerschoko, sei unbesorgt, das funktioniert schon ;-)))

      Löschen
  4. ach ich find dein Minimädel so süß, ich hoff meine wird auch einmal so. So begeistert und dass sie das auch einfach so sagt und ihre Mama so lieb hat. Dann darf meine auch gern 'Geil' sagen ;)
    ich habs jetzt in vielen Jahren erste ein einziges Mal geschafft, dass mir der Hollersekt gärt. Keine Ahnung wieso, heuer hab ich es gar nicht mehr probiert, dabei ist der wirklich sowas von gut. Ich glaub ich hab fast das gleiche Rezept wie du, aber irgendwie wills nix werden

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Diese Auswahl an Sagern ist natürlich gefiltert, liebe Kärntnerin. Sie kann auch anders. Aber ja, sie ist zum Fressen :-)
      Bei mir hat das Rezept bis dato immer funktioniert - hm, so eine Problemsuche aus der Ferne ist schwierig ... Probier's halt nächstes Jahr nochmal :-)
      Liebe Grüße!

      Löschen

Über Kommentare freue ich mich immer. Herzlichen Dank dafür!
Hinweis: Mit dem Abschicken deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass der von dir geschriebene Kommentar sowie personenbezogene Daten, die damit verbunden sind (beispielsweise Username, Mailadresse, IP-Adresse), an Google-Server übermittelt werden.
Mehr Informationen dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.